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Art.Nr.: 5775
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Ernst Roskothen
Gross-Paris Place de la Concorde 1941-1944 - Ein Wehrmachtsrichter erinnert sich...
Vorwort
Dieses Buch enthält ein Stück Zeitgeschichte. Sie wurde von dem Verfasser persönlich erlebt, und der Bericht,
der jetzt dem Leser unterbreitet wird, spiegelt in allen seinen Teilen genau das wider, was sich tatsächlich
ereignet hat. Die aufgelockerte Form der Darstellung darf darüber nicht hinwegtäuschen.
Der Verfasser wurde während des Krieges mit einer Anzahl Kollegen an einer Stelle eingesetzt, die ihnen allen
eine schwere Verantwortung aufbürdete - der Deutschen Wehrmacht, aber auch den Angeklagten gegenüber. Sie hatten
Handlungen abzuurteilen, die die Belange der Wehrmacht schwer geschädigt hatten oder schädigen konnten (Spionage,
Feindbegünstigung anderer Art und Terrorakte). Wenn diese deutschen Richter dabei, so wie es ihre Pflicht war,
den ihnen anvertrauten Interessen der militärischen Sicherheit angemessen Rechnung getragen haben, so haben sie bei
alledem doch auch immer an die vor ihnen stehenden Menschen gedacht, das heisst, sie human, fair und gerecht behandelt.
Das ist auf der Gegenseite schon während des Krieges und noch mehr nach dem Kriege voll anerkannt worden.
Einer der Vorfälle, die in dem Buch behandelt werden, macht das besonders deutlich. Anfang 1942 stand eine Gruppe
von Widerstandskämpfern vor Gericht, die- wie sie genau wusste - mit schwersten Strafen zu rechnen hatten. Als nach
sechs Wochen dauernder Hauptverhandlung das 326 Seiten umfassende Urteil verkündet worden war, erhob sich der soeben z
um Tode verurteilte Führer dieser Gruppe und bat den Vorsitzenden, ihm als Zeichen des Dankes dafür die Hand drücken
zu dürfen, dass er die Verhandlung unvoreingenommen und ritterlich geführt habe. In seiner Erwiderung sagte der
Angesprochene, das Gericht empfinde vor ihnen als echten und opferwilligen Patrioten vollen Respekt. - Das war der Geist,
in dem jenes deutsche Kriegsgericht bis zum Zusammenbruch seines Amtes gewaltet hat.
Der Verfasser ist der geborene Erzähler. Er hat die Dinge scharf und zutreffend beobachtet. Man merkt seiner Darstellung
an, wie unendlich schwer es ihm und seinen Kollegen gefallen ist, über Patrioten den Stab brechen zu müssen - Menschen,
vor denen sie innerlich Hochachtung haben mussten. Sie empfanden es als ein grausames Schicksal, dass zwei Völker, die
nach ihrer Kultur und ihrer Geschichte Seite an Seite gehörten, erneut in eine Konfrontation schrecklichsten Ausmasses
getrieben worden waren, eine Konfrontation, die unzähligen Menschen zum Verhängnis werden sollte.
Marburg (Lahn), im Februar 1977
Erich Schwinge.
Geb. mit Schutzumschlag, 327 Seiten, Schutzumschlag leicht abgestoßen, Ränder leicht gebräunt, sonst sehr guter Zustand
Roskothen (Selbstverlag); 1979; Bad Dürrheim